Shakespeares HAMLET

Hamlet, was ist Hamlet?

von Jule Graf & Elmar Hofmann


Hamlet, das ist doch "Sein oder Nichtsein"!?
Hamlet, das ist noch so viel mehr.

Nachdem der junge Prinz Hamlet auf Schloss Helsingör erfährt, dass sein Vater keineswegs von einer Schlange gebissen, sondern ermordet wurde, verspricht er dem Geist des Toten, ihn zu rächen. Der Mörder freilich ist kein Geringerer als Hamlets Onkel, König Claudius - überdies noch der neue Mann seiner Mutter Gertrud, sein Stiefvater. Von Wut, Trauer und Rachsucht geleitet, begibt sich Hamlet auf einen Weg, wo hinter jeder Tür (oder doch jedem Vorhang?) der Tod lauern könnte. Und jede Entscheidung eine verhängnisvolle Wendung bedeutet.

Soll Hamlet sich weiterhin auf die Seite seiner Mutter stellen oder soll er sie ihrer raschen Heirat wegen anklagen? So ist der Name der Schwachheit eindeutig Weib.
Soll er eine Beziehung mit Ophelia eingehen oder soll er sie aus seinem Leben schneiden? Schließlich hat er gesehen, wie kurz Frauenliebe ist.
Soll er weiterhin seinen Schulfreunden Rosenkranz und Güldenstern trauen oder soll er ihre Treue in Frage stellen? Denn sie schleichen auf einmal um ihn herum, als wollten sie ihn in ein Netz treiben.
Wie sieht die perfekte Rache an Claudius überhaupt aus? Wenn er ihn tötet, wäre es doch nur "Sold und Löhnung, Rache nicht".

Und ist die Antwort nun "Sein" oder "Nichtsein"? Das ist hier die Frage.

Jugendliche auf der Suche nach Werten und moralischem Halt. Besorgte Eltern zwischen Führen und Wachsenlassen. Politiker zwischen überkommenen Werten und knallharter Gewinn-optimierung. Liebende zwischen Agape und Eros, zwischen seelischer Hingabe und sexueller Befriedigung. Freundschaft zwischen Spaß und Aufopferung. Und immer wieder: Leben zwischen Rollenspiel und wahrem Sein.

Hamlet, ein Stück, unabhängig von Zeit und Ort, das hier im Theaterkeller des GMGs mit dem Oberstufenkurs über Monate hinweg seine ganz eigene Bedeutung gefunden hat.

Gerade die Zeitlosigkeit und Allgemeingültigkeit von Shakespeares Stücken spricht gegen ein gezieltes Historisieren auf der Bühne, etwa: Kostüme und Waffen des 17. Jahrhunderts zu verwenden. Und der Schwerpunkt - gerade beim Hamlet - liegt ohnehin auf dem großartigen Text.
"Dänemark ist ein Gefängnis" - dieses Grundgefühl Hamlets spiegeln wir in unserem Bühnenbild: den an Gitter erinnernden grauen (und rotbraunen) Körben, aus denen wir die Spielräume bauen. Lichteffekte malen Stimmungen. Gekämpft wird mit Messern - eigentlich ist die Zeit des archaischen Schwert- und Degenkampfs ja vorbei: König Claudius hält nichts von Ehrenhändel und löst Probleme lieber durch Diplomatie. Oder, wennīs sein muss, auch mit Gift. Nur der alte Hamlet, ein von der Zeit überholter Raufbold wie Götz von Berlichingen, schleppt selbst als Geist noch ein Schwert mit sich herum.

Der Theaterkurs der Oberstufe am GMG hat mit Hamlet gerungen, seinen eigenen Hamlet gefunden.
Premiere des GMG-Hamlet war am 5. Juli 2018 im GMG-Theaterkeller, weitere Aufführungen folgten am 9., 13. und 17. Juli; einen Ausschnitt gabīs zudem am 17. Juli bei den Schultheatertagen.




StD Hofmann


zur drg-Startseite