Arthur Schnitzler: Der grüne Kakadu



„Es kommen Leute her, die Verbrecher spielen - 
und andere, die es sind, ohne es zu ahnen.“

Eine Einführung zum „Kakadu“
von Cèline Tietz, Mido Alef und Elmar Hofmann

 

„Wenn der Hass feige wird, geht er maskiert in die Gesellschaft und nennt sich Gerechtigkeit“. In dieser Sentenz Arthur Schnitzlers spiegelt sich das Leitmotiv seines Gesamtwerks, der Hauptgedanke auch der 1899 uraufgeführten Groteske „Der Grüne Kakadu“: Wir Menschen spielen Rollen, täglich, immer ... nicht immer die gleichen, wechselnd, aber doch immer. Oder gibt es ein „wirkliches“ Ich?

Schnitzler (1862 - 1931) war stark von der damals aufkommenden Psychoanalyse seines Studienkommilitonen Sigmund Freud beeinflusst. Vielleicht war dieser Einfluss auch ein gegenseitiger, schreibt doch Freud 1922 in einem Brief an Schnitzler: „Ihr Determinismus wie Ihre Skepsis ... Ihr Ergriffensein von den Wahrheiten des Unbewussten, von der Triebnatur des Menschen, Ihre Zersetzung der kulturell-konventionellen Sicherheiten, das Haften Ihrer Gedanken an der Polarität von Lieben und Sterben, das alles berührte mich mit einer unheimlichen Vertrautheit.“

In seinen besten Texten leuchtet Schnitzler in die tiefsten, unterbewussten Abgründe des Seelischen, lässt seinen Personen jedoch einen Rest von Geheimnis. Gerade diese Abgründe und die aus ihrer Erkenntnis folgende tiefe Verunsicherung des Menschen betonte ja auch Stanley Kubrick in seinem letzten Film „Eyes Wide Shut“ nach Schnitzlers 1926 erschienener „Traumnovelle“.

Das menschliche Leben als ständiges Maskenspiel – so gesehen, kann man den Handlungsort unseres Stückes, den „Grünen Kakadu“, eigentlich nur symbolisch verstehen, zeitlos, überzeitlich, obwohl er exakt in Zeit und Raum bestimmt ist.

Paris, 14. Juli 1789, am Beginn der französischen Revolution. Im „Grünen Kakadu“, der Spelunke der Wirtin Prospère, entfaltet sich allabendlich ein Verwirrspiel um Leichtsinn und Verzweiflung, Komik und Tragik, Verstellung und Darstellung, Illusion und Wirklichkeit. Auch an diesem Abend werden sich wieder Adelige sowie Verbrecher und solche, die nur Verbrecher spielen, an diesem zwielichtigen Ort treffen. Das Publikum liebt den eingebildeten Kitzel, unter dem gefährlichsten Gesindel von Paris zu sitzen. Prospère und ihre Schauspieler genießen es ebenfalls, den Adeligen und Vornehmen ihre Meinung ins Gesicht sagen zu können und sie nach Herzenslust zu beschimpfen, während diese es für einen Scherz halten. So verkehren dort Straßendirnen, die eigentlich die treuesten Frauen sind (oder?), Taschendiebe, die nie einen Diebstahl begehen (oder fast nie), und Halunken, die offenbar die ehrlichsten Menschen von Paris sind. 

Doch was niemand ahnt: An diesem Abend verschwimmen die Grenzen zwischen Spiel und Wirklichkeit so weit, dass sich die Ereignisse dramatisch zuspitzen.




DIE MITWIRKENDEN:

PROSPÈRE,
Wirtin, Theaterdirektorin
Lisa Heinrich
GRASSET, Philosoph Michael Stefanek
LEBRET, Schneider Laura Thiele
der KOMMISSÄR Susanne Ruch
GRAIN, ein Strolch Julian Scheffler
SCAEVOLA, Schauspieler Viktor Haag
JULES, Schauspieler Michael Stefanek
HENRI, Schauspieler Thomas Pieper
LEOCADIE, Schauspielerin, Henris Frau Julia Scherzer
FRANCOIS Vicomte von Nogeant Alice Riedel
ALBIN, Chevalier de la Tremouiller Mido Alef
MICHETTE, Schauspielerin Céline Tietz
FLIPOTTE, Schauspielerin Silvana Pyritz
Emile HERZOG von Cadignan Alexander Zahn
GUILLAUME, Schauspieler Susanne Ruch
der MARQUIS von Lansac Hartmut Fischer
SEVERINE, seine Frau Johanna Pöhlmann
ROLLIN, Dichter Deng Yath
GEORGETTE, Schauspielerin Laura Thiele
BALDASSARE, Schauspieler Alexander Zahn
MAURICE, Schauspieler Michael Stefanek
ETIENNE, Schauspieler Julia Scherzer

Souffleuse: Maike Tödter
Kostüme: der Kurs mit Hilfe der
"Villa Kunterbunt", Bindlach
Regie, Bühnenbild, Requisiten,
Schminke, Licht:
der Kurs
Leitung: Elmar Hofmann


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