Das Meisterwerk 2008:



Anmerkungen zu unserem



Goethes Faust I gilt in der Oberstufe als Pflichtlektüre, zur großen Freude aller Schüler! Daher kennt auch heute, 200 Jahre nach der Fertigstellung, beinahe jeder den Inhalt dieses Werks.
Doch dieses Stück über die Suche nach dem, „was die Welt im Innersten zusammenhält“, über teuflische Verführung und einengende Konventionen – ist es auch auf die heutige Zeit übertragbar? Mit dieser Frage haben wir, der Grundkurs „Dramatisches Gestalten", uns auseinander­gesetzt und sind dabei auf einige Probleme gestoßen:


Im Original ist Faust ein Gelehrter, der alle wichtigen Themen der Menschheit studiert hat („Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie“) und trotzdem den wahren Sinn des Lebens nicht finden kann. Wie stellt man einen solchen Menschen in der heutigen Zeit dar ? Ein Naturwissenschaftler, der in allen Disziplinen nobelpreisverdächtig ist – das wäre ein Anachronismus. Ein Richter, der trotz all seiner Gesetzbücher und Paragraphen, einem intensiven Studium und einer beispiellosen Karriere die wahre Gerechtigkeit nicht finden kann, schien uns ein passender Vergleich zu sein.

Ebenso stießen wir auf die Frage, wie man die Gretchenfigur modernisieren kann, damit sie zwar einerseits ein unschuldiges, braves Mädchen darstellt, doch andererseits auch so attraktiv wirkt, dass sich Faust in sie verliebt. Denn heute gilt, wer unschuldig und brav aussieht, auch gleich als langweilig und prüde, und das sind keine Eigenschaften, die auf einen Mann besonders anziehend wirken.
Unser Gretchen ist sicher auch selbst etwas naiv, vor allem aber weiß sie, was sie ihrer strenggläubigen alleinerziehenden Mutter antun würde, wenn sie sie ins Gerede der Gemeinde brächte …
Faust sieht sofort Gretchens Weiblichkeit hinter der kindlichen Fassade, und das liegt nicht nur daran, dass er, enthemmt durch Partydrogen, ohnehin „Helenen in jedem Weibe" sieht.

Der Teufel ... ein Wesen mit 2 Gesichtern. Zum einen: der Lustvolle, für den sexuelles Verlangen und Erotik im Vordergrund stehen … Zum anderen aber: der Schalkhafte, der mit List und Boshaftigkeit handelt. Obwohl wir unseren Mephisto auf der Bühne als DEN EINEN Teufel verstanden wissen wollen, haben wir seine beiden Charaktere auf zwei Rollen aufgespalten. So können Beide ausgespielt werden und unabhängig voneinander agieren.

Eine weitere Herausforderung stellte die Rolle der Magie in Goethes Original dar. Zu Fausts Zeiten – und durchaus auch noch zu Goethes Zeiten – lag es nahe, natur­wissen­schaftliche Neugier mit dem Übernatürlichen zu verbinden: „Drum hab ich mich der Magie ergeben …“ – Fausts Beschwörung des Erdgeists wirkt aber auf heutige Leser/Zuschauer bestenfalls esoterisch. Unsere Überlegungen gingen hier von Alkohol über Cannabis bis zu Kokain, bis wir uns am Ende für eine weniger klischeehafte Lösung entschieden ...




DIE MITWIRKENDEN:





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